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Fragmente über die Tage, die Teheran erschüttern |
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Friday, 11. September 2009 |
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Dieser Text wurde in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift "Kosmoprolet" veröffentlicht: Das System der iranischen Theokratie, das sich als „Islamische Republik" bezeichnet, hat sich in eine verzweifelte Lage manövriert. Seit der Wahlfarce vom 12. Juni ist ein unverhüllter Machtkampf ausgebrochen, in dem die diversen Fraktionen des Regimes auf Leben und Tod gegeneinander und zugleich gegen die radikaleren Manifestationen der gesellschaftlichen Unzufriedenheit antreten. Die tieferen Gründe dieser für die Grundlagen des Systems desaströsen Entwicklung liegen in dem durch die ökonomische Krise und den Verfall des Ölpreises eingeschränkten Verteilungsspielraum des Regimes: Der von der Theokratie verwaltete Rentiersstaat kann die Schaffung breiter Loyalität durch die Verteilung der Ölrente nicht mehr gewährleisten. Erste Anzeichen dafür waren bereits die Benzinriots vor zwei Jahren, die in der Verwüstung von Tankstellen und Straßenkämpfen kulminierten. Alle Widersprüche, die das theokratische System prägen, liegen nunmehr offen zutage. 1. Der Versuch der gegenwärtigen Machthaber, durch eine hohe Wahlbeteiligung sich Legitimität zu verschaffen ist gescheitert. Dass das Regime in den Wochen vor der Wahlfarce den Tugendterror auf der Straße milderte und im Fernsehen vergleichsweise offene Debatten zwischen diversen Präsidentschaftskandidaten zuließ, hat nur seine tiefgreifende Schwäche offenbart. Die Milderung der Repression verschaffte der gesellschaftlichen Unzufriedenheit die Gelegenheit, sich auf den Straßen zu sammeln: Reclaim the streets in Teheran und in allen größeren Städten des Landes. Diese heterogene Bewegung setzt sich keineswegs nur aus Unterstützern des nach den Kriterien der iranischen Theokratie „gemäßigt konservativen" Kandidaten Moussavi zusammen; sie versammelt auch diejenigen, die in den „sozialen Bewegungen" der vergangenen Jahre aktiv waren oder mit deren Forderungen sympathisierten: die Studenten insbesondere von den Massenuniversitäten, denen eine wenig beneidenswerte Zukunft als proletarisierte Kopflanger blüht und deren Revolte, die für das Ende der „Islamischen Republik" plädierte, vor zehn Jahren blutig in der Isolation niedergeschlagen wurde, die Frauenbewegung, die die Gleichheit der Geschlechter und das Ende der Steinigungen und des Tugendterrors fordert, die prekarisierte städtische Jugend, in einem geringeren Ausmaß auch unzufriedene Arbeiter. |
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Letzte Aktualisierung ( Friday, 11. September 2009 )
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Aus aktuellem Anlass [2]: 23 Thesen zur Krise |
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Tuesday, 23. December 2008 |
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Von www.wildcat-www.de
Verlauf 1) 2006 beendeten die Immobilienpreise in den USA einen jahrelangen Höhenflug – 2007 begannen sie zu sinken, es hatte ein deutliches Überangebot an Häusern und Wohnungen gegeben. Bei steigenden Zinsen und sinkenden Hauspreisen gerieten massenhaft überschuldete Hausbesitzer mit der Rückzahlung ihrer Hypotheken in Verzug. Das löste unmittelbar die subprime-Krise aus und griff sofort auf die Investmentbanken [1] über; im März 2007 kam es zu plötzlichen, starken Kursverlusten an den Börsen von New York und Shanghai. Inzwischen befinden wir uns in der größten Finanz- und Bankenkrise seit mindestens 77 Jahren – vielleicht aber auch am Beginn der bisher schwersten Krise in der Geschichte des Kapitalismus. Wie konnte ein ganz normaler Schweinezyklus [2] (Überangebot an Häusern) eine solche gewaltige Wirkung haben? Die erste Erklärung liefert die US-amerikanische Arbeiterklasse, die bei sinkenden Reallöhnen ihren Lebensstandard nur noch mit Schuldenmachen aufrechterhalten konnte. Noch 1995 waren weniger als zwei Prozent aller Hypothekendarlehen [3] in den USA »subprime«[4], 2005 waren es bereits 25 Prozent. Die Verschuldung des US-Proletariats ist in den letzten Jahren stark angestiegen, 2007 gaben US-Amerikaner durchschnittlich 14 Prozent ihres Einkommens für die Rückzahlung von Schulden aus.. |
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Aus aktuellem Anlass: Globale Krise |
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Tuesday, 23. December 2008 |
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Von www.wildcat-www.de Nur wenn der Kapitalismus an Grenzen stößt (siehe »Bauernartikel«) gibt es ernsthafte Aussichten auf eine das Kapitalverhältnis radikal umstürzende Revolution – deshalb schauen wir uns die aktuelle Krise an. Seit der »Ölkrise« Mitte der 70er Jahre lauert in jedem Konjunkturabschwung die Systemkrise. Aber in der letzten Krise war »das System« selbst in Argentinien, wo es zu Aufständen kam, nie ernsthaft in Gefahr, weil die strategischen Sektoren weiter funktionierten; die Leute gingen zwar abends auf die Demo, arbeiteten aber tagsüber weiter. Diese Klassenspaltung haben wir auch in der BRD in den letzten Jahren erlebt: Streiks nehmen zu, finden aber nicht in den strategischen Sektoren der Exportbranchen statt. Klar stellt die aktuelle Krise eine »Grenze« des Kapitalismus dar. Aber ist sie nur ein Konjunkturabschwung oder läuft sie auf einen Crash zu? Bleibt sie weitgehend auf die Finanzwelt beschränkt oder greift sie auf die »Realwirtschaft« über? An den vielen Kämpfen weltweit gegen die Auswirkungen der Krise (Fahrerstreiks, »Nahrungsmittelrevolten« und andere Kämpfe gegen die Teuerung), interessiert uns, ob es in ihnen zu einer Neuzusammensetzung (siehe Ägyptenartikel) kommt, und ob in ihnen Perspektiven entstehen, die über den Kapitalismus hinausweisen. |
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